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Station 7: Konflikte innerhalb des Betriebsrats – Durststrecke

Egal ob auf einer Gruppen-Busreise, einem längeren Segeltörn oder einer Hütte in den Bergen: Oft verbringt man auf Reisentage-, ja sogar wochenlang Zeit miteinander. Das kann wunderbar sein, aber auch zu Konflikten führen. War zu Beginn der Reise noch jeder höflich und sehr darauf bedacht, ja nicht das Falsche zu sagen, kommt es im Verlauf nicht selten zu gegenseitigen Sticheleien und Kränkungen.

Was tun, wenn die Stimmung kippt beziehungsweise schon im Keller ist? Dem Streit aus dem Weg gehen oder den Konflikt gemeinsam durchstehen?

Konflikte als Chance: Streit ist nichts Schlechtes

Innerhalb des Betriebsrats sind Konflikte oftmals an der Tagesordnung.

Keine Sorge. Hier geht es Ihnen sicherlich wie vielen Ihrer Kollegen.
Und das ist auch ganz normal. Streit gehört nun mal dazu. Entscheidend ist nur, dass Sie zu einem Ergebnis kommen und der Streit nicht eskaliert. Je früher Sie einen (vermeintlichen) Konflikt erkennen und ansprechen, desto besser ist es. Im Gespräch kann sich ein vermeintlicher Konflikt häufig als Missverständnis herausstellen. Wenn Sie Glück haben, können Sie so Konflikte lösen oder zumindest entschärfen. Wer hingegen der Aussprache aus dem Weg geht, sorgt dafür, dass der (vermeintliche) Konflikt unterschwellig weiter vor sich hin brodelt und irgendwann eskaliert.

Denken Sie daran: Bei Unzufriedenheit innerhalb des Gremiums findet keine effektive Betriebsratsarbeit statt!

Reise Tipp

Bei Unstimmigkeiten innerhalb des Gremiums sollten Sie sofort handeln. Sprechen Sie Ihre Kollegen an und versuchen Sie, einen sich anbahnenden Streit im Keim zu ersticken. Und wenn der Streit nicht mehr vermeidbar ist, dann streiten Sie! Aber bitte übertreiben Sie es nicht.

Grundsätzlich gilt, dass Sie als Betriebsrat an einem Strang ziehen sollten. Ansonsten hat Ihr Arbeitgeber leichtes Spiel.

Richtig streiten will gelernt sein: Drei goldene Verhaltensregeln

Wenn es dennoch einmal zu internen Streitigkeiten im Gremium kommt, sind hier drei wichtige Verhaltensregeln:

1. Persönliche Lanze wegpacken

Das Wichtigste zuerst: Verlassen Sie niemals die Sachebene!

Persönliche Angriffe und Beleidigungen haben in einem Streit nichts zu suchen. Denn oft wird eine kleine Meinungsverschiedenheit hierdurch unnötig hochgeschaukelt. Gleichzeitig sollten Sie Folgendes beachten: In dem Moment, in dem keine sachlichen Argumente mehr ausgetauscht werden, begibt man sich in einen vollkommen sinnfreien Raum. Streit dient dazu, unterschiedliche Meinungen kundzutun und um eine Lösung zu finden, mit der beide Parteien gut leben können. Oft führt aber ein einziger persönlicher Angriff dazu, dass der Weg dorthin erst einmal versperrt ist. Der Aufwand, danach wieder in ein konstruktives Miteinander überzugehen, steht hierzu in keinem Verhältnis.

2. Eine Sache der Perspektive

Nehmen Sie Kritik niemals persönlich. In den allermeisten Fällen hat Ihr Gegenüber nichts gegen Sie als Person, sondern beurteilt die Sachlage nur aus einem anderen Blickwinkel. Ein Richtig oder Falsch gibt es in den wenigsten Fällen. Im Gegenteil: Meistens haben beide Parteien ein bisschen recht. Im Idealfall führt ein konstruktives (Streit-)Gespräch sogar zu einem noch besseren Ergebnis.

3. Am besten zu zweit

Klären Sie einen Streit immer unter vier Augen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn Sie sich völlig festgefahren haben. Dann kann es helfen, einen neutralen Dritten hinzuzuziehen

So gehen Sie mit persönlichen Angriffen richtig um:

Zunächst einmal klären Sie für sich ab, ob Ihr Gegenüber wirklich das meint, was er sagt. Oft interpretieren wir nur falsch. Sind Sie mit dem falschen Fuß aufgestanden, sind Sie für einen Angriff auf Ihre Person viel empfänglicher. Kommen Sie dennoch zu dem Ergebnis, dass die Äußerungen Ihres Gegenübers nur dazu dienen, Sie persönlich anzugreifen, dann haben Sie nun zwei Möglichkeiten:

Erstens: Sie überhören die Beleidigung des anderen und gehen zur Tagesordnung über. Inwiefern Sie dieses Verhalten im Nachhinein bedauern, hängt von Ihnen ab. Während für den einen die Situation bereits völlig vergessen ist, wünscht sich jemand anderes nichts sehnlicher, als die Zeit zurückdrehen zu können. Denn die besten Argumente fallen einem dann doch meist erst hinterher ein, wenn es zu spät ist.

Zweitens: Feuern Sie zurück! Manchmal geht es einfach nicht anders. Ein reinigendes Gewitter sorgt im Idealfall für frischen Wind und bringt Sie voran. Trotzdem sollten Sie auch in diesem Fall versuchen, einen Streit niemals unnötig eskalieren zu lassen.

Wenn der Wahlkampf im Gremium weitergeht

Nach der Wahl sitzen zwar alle im selben Bus, aber nicht jeder hat den Wahlkampf innerlich schon beendet. Alte Abgrenzungen wirken nach. Vorschläge werden danach bewertet, von wem sie kommen – nicht danach, was sie bewirken.

Typische Situationen:

  • Beschlüsse scheitern regelmäßig an Mehrheiten aus Prinzip
  • Diskussionen verlaufen entlang von Listen statt entlang von Inhalten
  • Gespräche finden vorab in kleinen Gruppen statt, nicht im Gremium

Das kostet Zeit, Energie und schwächt die gemeinsame Wirkung nach außen.

Machen Sie sich bewusst:

Sie sind ein Team und jedes Mitglied hat dieselben Rechte und Pflichten. Unterschiedliche Ansichten sind kein Fehler im System. Richtig genutzt können sie Entscheidungen sogar besser machen. Auch wenn Sie nicht immer einer Meinung sind, haben Sie das gleiche Reiseziel: Erfolgreiche Betriebsratsarbeit.

In der Praxis ...

... ist es leider nicht immer so einfach, Konflikte auf der sachlichen Ebene zu lösen. So entstehen mitunter heikle Situationen. Immer wieder erreichen uns bei der W.A.F. Anrufe, weil Schulungen einzelner Betriebsratsmitglieder nicht beschlossen werden und diesen dadurch die Teilnahme verwehrt bleibt. Doch Sie sollten sich klar machen: Schulungen sind kein Privileg und kein Belohnungssystem. Sie dienen der ordnungsgemäßen Arbeit des gesamten Gremiums. Wird eine Schulung aus taktischen Gründen blockiert, etwa wegen Listenzugehörigkeit oder persönlicher Spannungen, sorgt das für dauerhafte Probleme im Gremium. Das sollten Sie in jedem Fall vermeiden.

Checkliste Schulungsanspruch

  • Wurde ein ordnungsgemäßer Beschluss über den Besuch der Schulung gefasst?
  • Haben wir bei der zeitlichen Lage der Schulung die betriebliche Notwendigkeiten beachtet?
  • Ist die Schulung erforderlich? Mehr dazu unter waf-seminar.de/schulungsanspruch
  • Erscheinen die anfallendenKosten im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung verhältnismäßig?
  • Habe ich den Arbeitgeber rechtzeitig über die Schulungsteilnahme informiert?

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